Auf den Punkt bringen
Der Fall:
Der deutsche Ingenieur Herr Weiher, der seit einigen Monaten in Venezuela arbeitet, ist zu einem dienstlichen Gespräch mit seinem venezolanischen Chef und einigen Kollegen eingeladen. Es geht um die Abwicklung eines neuen Auftrages. Die Besprechung dauert den ganzen Nachmittag, doch weder der Chef noch die Kollegen entwickeln eine Strategie. Sie reden über alles Mögliche, die Atmosphäre ist gelöst, und sie genießen offensichtlich das Zusammensein. Bemerkungen von Herrn Weiher werden lächelnd aufgenommen, aber nicht aufgegriffen. Das Geplauder geht weiter, Herr Weiher wird ungeduldig und möchte gern endlich auf den Punkt kommen.
Erklärung:
In rein sachlichen Situationen spielt die zwischenmenschliche Ebene in Südamerika eine große Rolle, und es herrscht ein lockerer Umgangston. Auch Witze sind erlaubt und tragen zu einer geselligen Atmosphäre bei. Anders als in Deutschland herrscht in Südamerika ein beziehungsorientierter Kommunikationsstil vor. Diese Beziehungspflege ist neben der Sachebene von großer Bedeutung. Gespräche über eher private oder belanglose Themen dienen der Herstellung einer angenehmen Atmosphäre und schaffen Vertrauen. Das bedeutet aber nicht, dass die Südamerikaner in dieser Situation nicht bei der Sache sind, Entscheidungen finden sehr wohl statt.
Lösung:
Diese Situation ist in ganz Südamerika Alltag, aber für den deutschen, sachorientierten Manager ausgesprochen ungewöhnlich.
In einem interkulturellen Training hätte er den Umgang mit solchen Situationen üben können. Er hätte gelernt, auf den südamerikanischen Geschäftspartner einzugehen, das eigene Verhalten zu reflektieren und Verhaltensmuster der fremden Kultur richtig zu deuten.
Herr Weiher aus unserem Beispiel hätte nach einem Interkulturellen Training die Situation richtig einschätzen könne
n. Es wäre ihm leichter gef
allen, sich flexibel und geduldig zu zeigen und eine gute Beziehung zu seinen venezolanischen Kollegen aufzubauen.