Eine Stunde zu spät
Der Fall
Herr Gomez aus Brasilien arbeitet seit drei Wochen in Deutschland. Er hat sich in kurzer Zeit gut eingelebt und freut sich über sein gutes Verhältnis zu seinen Arbeitskollegen, die sehr hilfsbereit sind, ihn einarbeiten und in den Meetings Englisch sprechen, da seine Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen. Die Woche beginnt in der Regel montags morgens mit einem Meeting um 8:00 Uhr. Herr Gomez kommt in die Firma, betritt den Raum des Meetings und sieht, dass seine Kollegen das Meeting gerade beenden.
Er ist genau eine Stunde zu spät, schaut auf die Uhr, versteht aber die Situation nicht, da seine Uhr genau 8:00 Uhr anzeigt. „Ab heute ist Sommerzeit“, informieren ihn die Kollegen und lachen. Herr Gomez ist sichtlich irritiert, verbirgt seinen Ärger und kann nicht verstehen, dass er darüber nicht informiert wurde. „Hätten seine Kollegen ihn nicht kurz am Freitag darauf hinweisen können?“ Verärgert geht er in sein Büro.
Erklärung:
Warum haben die deutschen Kollegen ihn nicht über die neue Sommerzeit informiert? Das Umstellen der Uhr passiert an einem Wochenende und ist keine spezifisch berufsbezogene Angelegenheit. Was am Wochenende passiert, gehört zum privaten Bereich, der vom beruflichen getrennt ist. Da Herr Gomez in erster Linie als Arbeitskollege wahrgenommen wird, versetzt man sich eher nicht in seine Lage als Privatperson. Herr Gomez aber nimmt die deutschen Kollegen als freundlich und hilfsbereit wahr ohne die Trennung zwischen Privatem und Beruflichen vorzunehmen. Das kann zu erheblichen Missverständnissen und Unsicherheiten führen, wie in diesem Fall geschildert. Herr Gomez war von diesem Moment an misstrauischer.

