Unser Gedächtnis

Allgemein versteht man unter Gedächtnis die Fähigkeit des Nervensystems von Lebewesen, bewusst oder unbewusst aufgenommene Informationen zu behalten, zu ordnen und wieder abzurufen.

Je nach Zeitdauer der Informationsspeicherung wird zwischen dem Sensorischen Gedächtnis, dem Arbeitsgedächtnis (Kurzzeitgedächtnis) und dem Langzeitgedächtnis unterschieden.

Langzeitgedächtnis

Beim Langzeitgedächtnis unterscheidet man nach der Art der Gedächtnisinhalte zwischen deklarativem und prozeduralem Gedächtnis. Das deklarative Gedächtnis speichert Fakten bzw. Ereignisse, die entweder zur eigenen Biographie gehören (episodisches Gedächtnis) oder das so genannte Weltwissen eines Menschen ausmachen, wie zum Beispiel berufliche Kenntnisse, Fakten aus Geschichte, Politik, Kochrezepte etc. (semantisches Gedächtnis). Das prozedurale Gedächtnis beinhaltet Fertigkeiten, die automatisch, ohne Nachdenken eingesetzt werden. Dazu gehören vor allem motorische Abläufe (Fahrradfahren, Schwimmen, Tanzen, Skifahren, etc.). Prozedurale Gedächtnisinhalte werden durch implizites Lernen, semantische durch explizites Lernen erworben.

Arbeits- oder Kurzzeitgedächtnis

Der Mittelpunkt der bewussten Informationsverarbeitung ist das Arbeitsgedächtnis, mit einer begrenzten Kapazität. Charakteristisch für das Arbeitsgedächtnis (Kurzzeitgedächtnis) ist, dass dort Informationen gespeichert werden, die im Fokus der momentanen Aufmerksamkeit stehen. Es sind also momentan aktive Inhalte. Man nennt das Kurzzeitgedächtnis auch den aktiven Teil des Langzeitgedächtnisses. Die Informationen sind nach Klang gespeichert und werden dementsprechend akustisch enkodiert. Des Weiteren sind die Informationen leicht abrufbar, allerdings durch Ablenkung sehr anfällig, verloren zu gehen bzw. vergessen zu werden. Hier verarbeitete Informationen können auch in das Langzeitgedächtnis übergehen.

Sensorisches Gedächtnis

Informationen werden über die Sinnesorgane aufgenommen und an das Gehirn weitergeleitet, dort werden sie im sensorischen Gedächtnis zwischengespeichert. Eine Besonderheit des sensorischen Gedächtnisses ist seine hohe Speicherkapazität und seine kurze Behaltensdauer. Hier werden mehr Informationen aufgenommen als im Arbeitsgedächtnis, aber sie gehen auch nach wenigen Zehntelsekunden verloren.

Durch die Filterfunktion wird aus dem sensorischen Gedächtnis eine Auswahl getroffen auf die man seine Aufmerksamkeit lenkt. Es findet also eine selektive Aufmerksamkeit statt. Worauf sich die Aufmerksamkeit lenkt ist von der Reizbeschaffenheit und der Reiz-Situations-Kombination abhängig. Ist der Reiz zum Beispiel auffällig laut beschaffen, wird ihm die Aufmerksamkeit eher zu teil, als wenn er leise und unauffällig ist. Tritt eine ungewöhnliche Reiz-Situations-Kombination auf, schenken wir diesem Ereignis auch eher unsere Aufmerksamkeit. Außerdem gibt es noch das „Cocktail-Party-Phänomen“, was bedeutet, dass man dorthin seine Aufmerksamkeit richtet, wo man seinen Namen gehört hat.

 

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